Archiv der Stadt Ústí nad Labem

Historische Entwicklung des Stadtarchivs Ústí n. L.

Das Stadtarchiv von Ústí nad Labem wurde nicht künstlich gegründet, wie viele der heutigen staatlichen Bezirksarchive, sondern hat sich als Einrichtung der Stadt auf eine natürliche Weise entwickelt.

Obwohl das Stadtarchiv von Ústí nad Labem bereits vor 300 Jahren erwähnt wurde, fing seine faktische Tätigkeit erst im Jahre 1828 an. Damals wurde der städtische Registerführer Friedrich Sonnewend beauftragt, die historischen Akten der Stadt zu ordnen. In den Jahren  1840-1890 hatte das Stadtarchiv keinen ständigen Verwalter. Im Jahre 1890 wurde der Bibliothekar des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, Wenzel Hieke, zum Archivverwalter ernannt. Nach seinem Tod im Jahr 1895 übte bis zum Jahr 1919 Dr. med. Alexander Marian die Arbeit des Archivars aus.

Im Jahre 1920 wurde Dr. Franz Josef Umlauf zum Archivverwalter ernannt. Umlauf übte diese Tätigkeit nebenberuflich aus. Das Archiv hatte seinen Sitz in zwei Räu-men im Kellergeschoss des deutschen Gymnasiums in der Straße Velká Hradební.

Am 11. November 1922 führte im Auftrag des Ministeriums für Schulwesen und nationale Aufklärung Dr. Bedřich Mendl eine Inspektion des Archivs der Stadt Ústí nad Labem durch. Das Ergebnis der Inspektion war eine Subventionszusage für das Archiv, bedingt durch die Archivpflege der Akten des ländlichen Bezirksteiles. Seit 1922 war das Archiv der Stadt Ústí nad Labem zugleich das Bezirksarchiv. Im Laufe der 20-er Jahre übernahm Umlauf nach und nach die Akten der patrimo-nialen Verwaltung, der städtischen Brauerei und die Bücher des Aussiger Rente-namtes in das Archiv. Vom Börsenmakler Karl Böhm bekam er für das Archiv eine komplette Jahrgänge Aussiger Zeitungen seit 1856. Die Sammlung fand jedoch im Archiv nicht genug Platz und wurde deshalb im Keller des Schlosses in Trmice deponiert. Anfang 30-er Jahre wurde Umlauf immer mehr mit der Organisation der deutschen Landeskunde in der Tschechoslowakei und mit Genealogie beschäftigt. Wegen Vernachlässigung seiner Archivarbeit geriet er in scharfe Auseinander-setzungen mit dem Bürgermeister Leopold Pölzl. Der Streit erreichte seinen Höhepunkt im Jahre 1934, als Umlauf bei Pölzl seine Kündigung als Archiv-verwalter schriftlich beantragte. An Umlaufs statt wurde der fachlich ausgebildete Archivar Dr. Franz Josef Wünsch eingestellt.

Im Jahr 1936 beschloss der Stadtrat ein neues Status für das Archiv. Das Archiv wurde als städtische Behörde definiert und der Archivverwalter wurde Angestellter der Stadt. Nach jahrelangen Gesuchen erwarb Wünsch im Jahre 1939 für das Archiv größere Räumlichkeiten in einem Haus auf dem Platz Václavské náměstí in Trmice.

Im Jahre 1941 wurde der Archivar Franz Josef Wunsch einberufen und auf seine Stelle kam wieder Franz Josef Umlauf. Bei der Reorganisierung im Jahre 1942 übernahm der Leiter des städtischen Kulturamtes Walter Hermann die Leitung des Archivs und gleichzeitig auch des Stadtmuseums. Nach seiner Einberufung über-nahm Umlauf die Archivleitung zum dritten Mal. Er verwaltete das Archiv bis zum 13. Dezember 1945, dann übergab er die Schlüssel des Archivs an Dr. Alfred Piffl. Es ist Umlauf zu verdanken, dass es zum Kriegsende und in der darauffolgenden Zeit zu keinen Verlusten an Archivalien kam. Nach Piffl übernahm offiziell der Ornithologe Dr. Josef Jirsík die Verwaltung des Stadtarchivs, in Wirklichkeit wurde das Archiv jedoch von Ing. Karel David nebenberuflich verwaltet.

Im Herbst 1951 wurde Jan Bouček Stadtarchivar. Er leitete das Archiv bis zu seinem Tod im Jahr 1983. Während seiner Tätigkeit wurden im Archiv die Fonds der Stadt und des Bezirks Ústí nad Labem zusammengeführt und auf eine moderne Art geordnet. Das Archiv erhielt im Jahr 1968 neue Räume im Zentrum von Ústí nad Labem. Seit 1984 leitet Dr. phil. Vladimír Kaiser das Archiv.

Im Jahr 1986 wurde im Bezirk Ústí nad Labem eine tiefgreifende Verwaltungs-reform durchgeführt. Ústí nad Labem wurde zu einer kreisfreien Stadt erklärt.. Das Archiv wurde als eine Einrichtung des Referats für innere Angelegenheiten des Nationalausschusses der Stadt wieder zum Archiv der Stadt Ústí nad Labem, wobei es – genauso wie der Nationalausschuss der Stadt Ústí nad Labem – seine Archivtätigkeit auf das gesamte Gebiet des Bezirks Ústí nad Labem erstreckte. Der Nationalausschuss der Stadt Ústí nad Labem wurde nach der Wahl 1990 aufgelöst und der Stadt Ústí nad Labem wurde durch das Gesetz über die Gemeinden (Ges. Nr. 367/90 des Gesetzbuches, § 3) der besondere Status „kreisfreie Stadt“ zuerkannt, mit dem Stadtorgan „Amt der Stadt Ústí nad Labem“. Seit 1990 ist das Archiv der Stadt Ústí nad Labem eine selbständige Abteilung des Stadtamtes und später des Oberbürgermeisteramtes und hat die Archivpflege des ganzen Bezirks Ústí nad Labem übernommen.